Der Leiter der Evangelischen Allianz Irlands, Nick Park, hat eine Schweizer Klinik für Freitodbegleitung kritisiert, nachdem eine Familie vom Tod einer Angehörigen per WhatsApp erfahren und die Asche per Post erhalten hatte. Auch die Schweizerische Evangelische Allianz SEA ist besorgt über die praktischen Folgen der liberalen Schweizer Gesetzgebung – und den mangelnden politischen Handlungswillen.
Wie das Portal «Christian Daily International» berichtet, erzählte die 58-jährige, psychisch kranke Maureen Slough aus Irland ihrer Familie, sie reise nach Litauen, stattdessen begab sie sich in die Klinik Pegasos in Basel, um zu sterben. Zwei Tage später erhielt ihre Tochter Megan Royal eine WhatsApp-Nachricht über den Tod ihrer Mutter, kurz darauf kam die Asche per Post. Slough hatte umgerechnet 14’000 Schweizer Franken für das Verfahren bezahlt und soll sogar gefälschte Dokumente eingereicht haben. Die Familie erklärt, die Klinik habe keinen Kontakt zu ihr aufgenommen, und fordert eine Untersuchung durch britische Behörden. Es ist der dritte Fall seit 2023, in dem Familien nicht über einen assistierten Tod von Pegasos informiert wurden.
Nick Park, Leiter der Evangelischen Allianz Irlands, nannte den Vorfall in dem Artikel «äusserst beunruhigend» und betonte, dass solche Praktiken das menschliche Leben entwerten. Er kritisierte, dass in diesem Fall von Würde wenig zu spüren sei, während Befürworter von Sterbehilfe von «würdevollem Sterben» sprächen.
Keine Regulierung – aber mehr Daten
Auch die SEA ist besorgt darüber, wie einfach Menschen in der Schweiz Suizidhilfe in Anspruch nehmen können. Auf politischer Ebene hat der Bundesrat jüngst seine Haltung bekräftigt, dass er keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht. Der Ständerat hat eine Regulierung ebenfalls abgelehnt, will aber ein Monitoring erstellen lassen, da Zahlen etwa zum Sterbetourismus und zur Tätigkeit der Sterbehilfeorganisationen fehlen.
Nationalrat und SEA-Vorstandsmitglied Marc Jost hatte bereits Ende letzten Jahres mit einer Interpellation «Suizidbeihilfe für gesunde Menschen. Zeit für eine Gesetzesanpassung?» dem Bundesrat Fragen zum Thema gestellt. Zur jüngsten Entwicklung sagt er: «Ich begrüsse es, dass der Ständerat konkrete Zahlen zum assistierten Suizid erfassen will, und hoffe, dass der Nationalrat dies bestätigen wird. Damit werden wir eine gute Grundlage haben, um eine angemessene Regulierung zu beschliessen, welche vulnerable Menschen schützen soll.»
Der Tod als letzte Freiheit – oder soziales Geschehen?
Der NZZ-Journalist Simon Hehli feiert in einem kürzlich erschienenen Kommentar den Tod als «letzte Freiheit». Diesen Fokus auf das autonome Subjekt propagierten bereits die Stoa oder die Platoniker. Mit dem beschönigenden Begriff des «Freitodes» wird der Selbstmord als letzter Akt der Selbstbestimmung bejubelt. Jedoch werden dabei die sozialen Bezüge völlig negiert.
Als SEA stellen wir die Frage, in welcher Welt wir leben wollen: In einer Welt, in der das Leben ein wert- und würdevolles Geschenk ist? In einer Welt, in der alte und sterbende Menschen deswegen Nähe und Wertschätzung bis zum Ende erfahren? – Oder in einer Welt der scheinbar freien Subjekte, die ihren letzten Lebensweg eigenverantwortlich, aber auch allein gehen? In einer Welt, in der es für alles eine Lösung gibt, aber kaum mehr Menschen, die auch Leiden und Schmerz mitaushalten und mittragen?